Hosenscheisser

von Irina Baier am

Vor ein paar Tagen las ich das Zitat „don’t wait until you are confident to show up – show up until you’re confident” und ich habe das Zitat so gefühlt. Ich kriege immer wieder ganz liebe Nachrichten darüber, wie mutig ich doch sei. Dass ich den Mut habe, einfach eine Firma zu gründen obwohl die Konkurrenz riesig ist, mein Erspartes dafür auf den Kopf zu hauen oder vor Leute stehe und gerne präsentiere oder auch halbnackt auf der Bühne stehe, um mich zu zeigen (wegen dem Wettkampf – nicht einfach so. hahah!) . Oder mich halt einfach für den Job beworben zu habe, ohne etwas Neues zu haben.  

Ja, das tue ich alles. Ja, das braucht Mut. Und ja – I am fucking scared – jedes Mal. Ich scheisse mir manchmal sprichwörtlich fast in die Hosen. Für all die, die ebenfalls einen sehr empfindlichen Magen haben, wissen was ich damit meine… Näher ins Detail gehe ich hier jetzt nicht, aber was ich sagen will: ich mache SO viele Dinge, vor denen ich Angst habe.

Warum tue ich das?

Weil ich das Endziel sehe und davon überzeugt bin, dass man manchmal ins kalte Wasser springen muss, um es zu erreichen. Und manchmal – ja sogar sehr sehr oft fällt man auf die Fresse oder rennt gegen die Wand. Aber das heisst nicht, dass Du aufhören solltest. Du fängst einfach noch einmal an und zwar nicht von Anfang aber von den Erfahrungen, die Du gemacht hast.

Wenn ich darüber nachdenke, realisiere ich, dass ich schon soviel nicht erreicht habe.  Schon soviel was ich mir vorgenommen habe, hat nicht so geklappt wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe. Und dann bin ich frustriert, sauer, enttäuscht und zweifle an mir. Und manchmal gebe ich auch auf. Und zwar dann, wenn ich finde, der Aufwand ist es nicht mehr wert. Aber sobald mein Herzblut noch daran hängt, versuche ich neue Wege einzuschlagen, mich zu verbessern, Dinge anders anzuschauen, Leute zu fragen, um so immer wieder ein Stück näher an meinem Endziel zu sein.

Und dafür danke ich meiner Mama

Ich glaube auch, ich wurde teilweise auch so sozialisiert. Meine Mama ist eine Kämpfernatur, sie ist unglaublich stark und hat soviel Mist erlebt. Es war – wie bei vielen Familien – nicht immer einfach, aber meine Mama hat mir IMMER gesagt: Irina, Du kannst alles werden. Egal was Du willst, wenn Du es nur auch wirklich willst.

Und das hat sich irgendwie bei mir eingebrannt. Meine Mama hat mich immer wieder gefordert, wenn ich etwas nicht gemacht habe, weil ich Angst davor hatte. Was habe ich denn zu verlieren?

Oft hindern uns unsere Gedanken an unserem Vorhaben „was denken die anderen, wenn ich scheitere? Was, wenn ich es nicht erreiche etc.?“. Meistens ist es so, dass es „die anderen“ herzlich wenig interessiert was du erreichst und was nicht. Und nach zwei Wochen ist sowieso alles wieder vergessen. Wenn mein Onlineshop Konkurs ginge, würden wohl auch einige darüber reden. Und es kratzt mich nicht im Geringsten. Sie sehen nur den Fakt „Konkurs“ – mehr nicht. Was ich alles erlebt und erfahren habe, was ich getan oder nicht getan habe, sehen sie nicht. Und wenn sie ein Urteil darüber fällen, ist das ihre Entscheidung – nicht meine. Ganz egal wie es mit bodynation ausgeht, liebe ich die Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich liebe, was ich gelernt habe und was für Menschen ich kennenlernen durfte. Das allein schon, ist doch schon ein Erfolg.

Wenn wir kein Risiko eingehen, wissen wir nie, wie etwas hätte sein können.  

Meine Mama hat auch immer gesagt: „Wenn Du Dein Bestes gegeben hast, dann hast Du doch alles erreicht“ – und das hat mich auch geprägt. Wenn es nicht reicht und ich weiss ich habe mein Bestes gegeben, dann ist alles gut. Schmerzhaft bleibt es vielleicht trotzdem, aber ich habe alles gegeben und dann werden sich andere Dinge ergeben. Wenn ich aber weiss, dass ich noch mehr hätte geben können, dann nervt das.

Danke an meinen ehemaligen Arbeitgeber

Und mein ehemaliger Arbeitgeber hat mir ebenfalls sehr geholfen, mich zu entwickeln und zu erkennen, wer ich wirklich bin. Ich wurde mehr ins kalte Wasser geworfen als mir lieb war und ich verteufelte die Firma manchmal dafür. Ich machte soviele Dinge, für die ich mich noch lange nicht bereit gefühlt habe. Und bin daran gewachsen.

...und dem Sport

Genau das gleiche beim Sport: ich bin überhaupt nicht die Person, die sich gerne in den Mittelpunkt stellt. Und dann noch halbnackt. Aber das gehört nun mal zum Wettkampf dazu. Bei den ersten zwei Wettkämpfen hatte ich Angst, dass die Leute mich ansehen – ich wollte mich am liebsten verstecken. Irgendwo in der Ecke. Beim dritten und vierten Wettkampf (zweite Saison) war ich viel mutiger; ich ging auf die Bühne und dachte:“Schaut mich an, i’m the shit“ – weil mir das der Coach immer gesagt hat, ich müsse das üben.

Wie übt man das, wenn man nicht der Typ dafür ist? Ich habe mich der Angst gestellt. Und wie habe ich das gemacht? ich hatte zu der Zeit einen Schwarm und war unheimlich verliebt. Bei wem – wenn nicht bei ihm – geniere ich mich mehr, wenn ich mein Posing übe? Im Posing wo ich wirklich nicht gut war. Ich weiss es nicht. Daher habe ich ihn gebeten, mir beim Posing zuzuschauen. Ja – das war wieder so ein Hosenscheisser Moment und es brauchte Überwindung, aber ich wusste, ich muss es tun.

Und daher mein Aufruf an alle, bei denen die Angst ,sie zurückhält: Tut es! Es lohnt sich! Und in den meisten Fällen, werdet ihr merken, dass es gar nicht so schlimm ist. Und je öfters ihr ins kalte Wasser springt, gegen die Wände rennt oder hinfällt, desto mehr werdet ihr merken, dass meistens nicht wirklich viel passiert.

Sucht Euch Menschen, die euch inspirieren, tauscht Euch aus und sucht Euch Menschen, bei denen ihr wachsen könnt. Und das aller aller wichtigste: traut es Euch zu. Ihr werdet staunen, was ihr alles könnt. Oder auch nicht – aber dann werdet ihr es lernen.

Übernehmt die volle Verantwortung für Euer Leben und tut die Dinge, vor denen ihr am meisten Angst habt. Sagt sie. Lebt sie und stellt euch Euren Träumen.

Im diesem Sinne schliesse ich den Blog mit den folgenden Worten ab: „you can, if you think you can“ und weils so schön war noch einer „When you are afraid, do the thing you are afraid of and soon you will lose your fear of it.”

Just do it!

Ganz viel liebe

Euer Hosenscheisser

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