Deinen Wert kennen

von am

Es ist schon lange her, seit ich den letzten Beitrag geschrieben habe. Es war viel los – mit bodynation, der Arbeit und generell im Leben. Daher habe ich mir nie meine heilige MMM (Meeting mit mir) Zeit genommen.

Jetzt ist Corona da und wie viele andere muss ich daheim bleiben. Daher habe ich jetzt viel Zeit. Die Fitnessstudios sind geschlossen, dass Homeoffice kann ich mir legen so wie ich will und da ich eine Frühaufsteherin bin, fange ich meistens früh an.

Den jetzigen Beitrag schreibe ich, weil mir wieder einmal auf etwas auf dem Herzen liegt. Und zwar geht es um das Thema Freundschaft und wie Du dich selbst behandeln lässt.

Freundschaft ist für mich ein sehr hohes Gut. Freundschaft ist etwas unfassbar Wertvolles, etwas Bereicherndes, etwas das eine Basis braucht und man dafür arbeitet, um sie zu erhalten. Eine Freundschaft ist wie eine Beziehung. Man hört nie auf daran zu arbeiten, zu wachsen, gelegentlich Rückschritte aber auch Fortschritte zu machen und man kann sich gegenseitig blind vertrauen. Das ist meine  ganz persönliche Definition von Freundschaft – und ich bin mir sicher, viele haben eine andere Definition. Aber da mir Freundschaft so viel bedeutet, löst es in mir auch einiges aus, wenn mir jemand sagt, er/ sie will mein Freund / Freundin sein. Alles andere sind für mich Bekanntschaften, die mal intensiver, mal weniger intensiv sind. Daraus können sich Freundschaften entwickeln oder die Person war dann einfach für eine gewisse Zeit eine schöne (oder lehrreiche) Zeit in meinem Leben.

Kontext bitte

Ja ja ist ja schon gut – jetzt gibt’s dazu ein bisschen Kontext: ich habe einer gewissen Person vor ein paar Tagen gesagt, dass sie es vergessen könne, mein Freund zu sein. Kollegen / Bekannte von mir aus, aber wirklich Freunde werden wir nie werden. Und das habe ich genauso gesagt. Ich weiss, dass klingt sehr hart. Ist es auch. Dies hat jedoch seine Gründe.

Leute können dich so behandeln, wie Du es zulässt

Mal so eine Grundsatzfrage: Wie oft verzeihst Du Menschen, die dich verletzt oder enttäuscht haben? Wie versuchst Du zu verstehen wie andere Dich behandeln?

Ja ich bin ein typischer overthinker – wenn Dinge passieren, versuche ich immer nachzuvollziehen, warum diese Person so gehandelt hat (oder nicht). Zudem habe ich eigentlich die Grundsatzregel, dass jede Person gut ist, bis man mir das Gegenteil beweist.

Es ist ja so, dass viele so denken:  

  • „Alle Menschen sind gut, beweis mir das Gegenteil“ oder
  • „Alle Menschen sind schlecht, beweis mir das Gegenteil“

Ich bin eigentlich immer auf der ersten Variante – ja manche nennen mich auch naiv. Aber Menschen haben im Grundsatz immer einen Vertrauensvorschuss bei mir. Nicht umgekehrt.

Zudem brauche ich auch relativ lange, bis ich Menschen wirklich aus meinem Leben streiche. Aber dann sind sie wirklich gestrichen. So grosszügig und liebevoll ich sein kann, so unfassbar kalt und schulterzuckend kann ich sein. Das passiert in der Regel dann, wenn man mir mehr als drei Mal gezeigt hat, dass man mich als Mensch auf irgend eine Art bewusst verletzt hat. Und nein ich rede da nicht von „Ich habe Deinen Geburtstag vergessen“ oder ähnliches.

Ich würde sogar behaupten, ich bin sehr verständnisvoll. Wir sind alles Menschen - wir lernen, machen Fehler, verletzen andere bewusst oder unbewusst. Oh auch ich bin bei weitem nicht perfekt oder fehlerlos auch ich habe schon viel Blödsinn gemacht. Und es gibt auch Menschen, die mich nicht mögen, weil ich auf der Seite stand, wo ich andere Menschen verletzt habe. Manchmal unbewusst und manchmal bewusst.

Nichtsdestotrotz gebe ich für meine Freunde mein letztes Hemd. Alles. Und auch wenn ich sie nicht immer sehe – wissen sie, dass ich da bin. Ein Telefonat und ich bin da. Und ich weiss, dass es umgekehrt auch so ist. Ich habe das Glück, dass ich sagen kann: meine Freunde sind wie meine Familie und ich vertraue ihnen blind. Und ich bin von jedem Freund ein grosser Fan und wünsche ihnen nur das aller aller Beste auf der Welt.  Aber wie oben schon geschrieben, an Freundschaften muss man arbeiten. Sie entstehen nicht einfach so und sind da.

He wie passt das jetzt zum ersten Titel des Blogs?

Weil Freundschaften auch etwas damit zu tun haben, wie Du dich behandeln lässt. Und wieviel wert du in dir selbst siehst. Ich möchte niemanden in meinem Freundeskreis, der der das Gefühl hat, eine Freundschaft ist einfach da. Und dass man mich monatelange leiden lässt, und dann das Gefühl hat, wenn es mir wieder gut geht, dass wir weiter Freunde sein können, geht einfach gar nicht. Hell no – nur weil es mir jetzt wieder gut geht, heisst es nicht, dass ich vergessen habe, was war. Bäääm!

Verziehen habe ich es – nur vergessen tue ich es nicht. Und ja ich mag mich. Und zu zeigen, dass ich Dich nicht mehr in mein Herz der Freundschaften lasse (wuhuu klingt das süss :D), zeigt dass meine Liebe zur mir selber gesiegt hat.  

Ich weiss wer ich bin

Ich weiss wer ich bin und wie gesagt, mag ich mich. Ich mag mich so sehr, dass ich sehr wählerisch bin, wer ich zu meinen Freunden zähle. Weil Menschen die mich mehrfach verletzt haben, kriegen mich nicht. Ich kenne meinen Wert und ich habe es verdient, mich mit Menschen zu umgeben, die mich schätzen.

Lies den obigen Satz nochmals.

Wenn Du aber jetzt nicht weisst, wer Du bist und warum Du bist wer du bist, wird das schwierig. Dann können andere Dich behandeln, wie sie es wollen. Weil Du weisst ja selbst nicht so genau was Du verdient hast und manchmal denkst Du allenfalls auch noch, du hättest es verdient so behandelt zu werden? Und so lässt Du es zu, dass Dein Selbstwertgefühl weiter sinkt und du den Personen immer mehr und mehr durchgehen lässt. Und sie tun das vielleicht nicht mal bewusst.

Aber mein Aufruf an alle, die das kennen; fragt Euch doch bitte „wie gutmütig seid ihr zu euch selber, wenn ihr Verhalten XY wieder durchgehen lässt“. Wann ist genug genug? Stellt euch die Grundsatzfrage: Wie gutmütig seid ihr zu EUCH SELBST, wenn ihr euch wieder verletzen lässt? Und es geht nicht mal ums Verletzen, es geht auch darum Dinge zu tun, die wir nicht tun wollen und es einfach tun, um anderen zu gefallen, es anderen recht zu machen etc. Wie gutmütig bist Du zu Dir selber?

Überhaupt nicht.

Deswegen nimm dir die Zeit und finde Dich. Definiere Du Dich, wer Du bist und lass dich nicht durch andere definieren. Du weisst, was und wer Dir guttut und was nicht und manchmal muss man konsequent sein und ein paar Türen schliessen, damit andere aufgehen können. Setze vor allem Grenzen – kreier dein ganz eigenes Spielfeld und definiere selbst, wer Du in Dein Spielfeld lässt und wer entweder nur Zuschauer ist oder nicht mal bis ins Stadion kommt.

Lerne Deinen Wert kennen – und finde Menschen, die Deinen Wert schätzen.

Und diese Person die es betrifft, ist überhaupt kein schlechter Mensch. Sie hat mir nur mehrmals gezeigt, dass ich ihr als Person doch nicht so wichtig sein kann, weil sonst hätte sie mich nicht so behandelt. Und mein Selbstwertgefühl war zu dieser Zeit sehr klein, daher habe ich mich so behandeln lassen. Da ich aber nun wieder stärker bin, lasse ich ein solches Verhalten nicht mehr zu und vergesse nicht, was geschehen ist. Ich werde immer anständig mit der Person sein, lachen und Witze machen. Ich werde auch der Person helfen, falls sie jemals HIlfe benötigt - das hat aber für mich nichts mit Freundschaft zu tun, sondern eher damit, dass ich es wichtig finde, dass wir uns als Menschen gegenseitig mehr unterstützen. Ich wünsche ihr auch überhaupt nichts Böses. Um ehrlich zu sein, wünsche ich auch ihr alles Gute.

Alles Liebe

Eure Irina

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