Nach dem Wettkampf

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Wow, letzte Woche habe ich eine Story gepostet, was Euch alles interessieren bezüglich meinem Wettkampf interessieren würde und ich war begeistert über die Rückmeldungen. Ich habe einmal versucht, zusammenzustellen, was so die Oberthemen sind

  • Ernährung nach dem Wettkampf
  • Wie geht es der Psyche nach dem Wettkampf
  • Kritik, die man als Athlet einstecken muss (Gesundheit etc.)
  • Coach
  • Was kommt als nächstes?

Hmm… Und ich fange glaub mit der Psyche an, weil mir doch einige Personen geschrieben haben, wie ich so entspannt damit umgehe, dass mein Körper nicht mehr aussieht als ob ich einen Wettkampf gemacht hätte Disclaimer: ich habe eine Woche gegessen was das Zeug hält. Meine Beine waren so voll Wasser das sie sogar geschmerzt haben und beim Höhepunkt, bekam ich Herzrasen. Das ist nichts worauf ich stolz bin, aber es zeigt das Ausmass an Esserei, dass ich mir gegönnt habe. Und: es geht mir prima damit. Glaubst du nicht? Dann lies doch bitte weiter.

Wie ich den Wettkampf erlebt habe und wie ich danach gegessen habe

Am 19. Oktober 2019 war der Wettkampf – gut fünf Monate Diät lagen hinter mir. Fünf Monate lang mein Essen vorgekocht. Selbst als ich auf Geschäftsreisen im Ausland war, waren meine Tupperware dabei. Selbst als ich beruflich sogar business geflogen bin, habe ich nichts gegessen. Kein Geburtstagskuchen, kein gar nichts. Ab und zu durfte ich mal einen Burger oder eine Pizza essen, als es mit dem Körperfettanteil schon ziemlich schnell runterging. Das war immer ein Segen und ein Energiebooster für die nächsten Wochen.  

Der Wettkampf an sich zog sich extrem in die Länge. Es gab sogar den Punkt, wo ich keine Lust mehr hatte. Nach insgesamt gut 9 Stunden rumliegen, wars dann einfach mal gut. Wir waren die aller letzte Klasse an dem Tag. Ich hatte zum Glück die beste Unterstützung der Welt und als es dann doch noch auf die Bühne ging, fühlte ich es. Ich fühlte mich für ein paar Minuten wie Queen B (so nennt sich Beyoncé) – oder in meinem Fall Queen I! Hahaha – weil mir bewusst geworden ist, wie scheisse (sorry für die Ausdrucksweise) hart ich gekämpft habe. Und ich habe den Auftritt genossen und war stolz auf mein Gesamtpaket.

Dann war der Wettkampf vorbei und wir gingen in den Mc Donalds. Hatte ja nichts anderes mehr auf. Und danach habe ich acht Tage durchgegessen. Und wenn ich sage durchgegessen heisst das richtig viel, soviel bis mir schlecht wird und so viel dass – wenn ich mich im Bett gedreht habe – ich nicht immer wusste, ob ich jetzt kotzen muss. Ja so viel kann ich essen. Und ich habe jeden Bissen genossen.

So kommt es, dass acht Tage nach Wettkampf kein Sixpack mehr da ist, die Hose schon super eng ist und ich voll Wasser bin. Wie geht es mir damit? Gut. Ab Montag, werde ich mich dann wieder mehr kontrollieren, um zurück zur Normalität zu kommen, denn sind wir ehrlich: so eine Fresserei ist nicht gesund. Nicht für die Organe, nicht für den Körper. Aber ich habe es gebraucht und ich habe es mir gegeben.

Wie ich meinen Körper erlebe

Wie ist mein Körper jetzt? Ich glaube Leute, die nicht wissen dass ich Wettkampf gemacht habe, würde dass auch nicht mehr erkennen. Das ist für mich total in Ordnung. Aber in diesem Abschnitt gehe ich mehr auf meinen Körper ein. Ich habe wieder Bäckchen, was mich mega happy macht. Auf Diät sehe ich so unfassbar hart und alt aus. Ich habe in der Diät ein bisschen Haarausfall gekriegt, da hoffe ich, dass sich das wieder einpendelt. Ich habe jetzt immer einen unfassbar aufgeblähten Bauch und sehe aus, als ob ich schwanger bin. Sixpack ade! Meine Knöchel sind ein bisschen geschwollen – wobei das letzte Woche mehr war.

Klingt nicht gesund oder? Und deswegen möchte ich auch wieder auf mein Essen achten – einfach eine gesunde Balance haben, wie ich es vor der Diät auch gehabt habe. Aber das schöne ist; die Energie die ich habe. Ich bin die ganze Zeit noch total im Flash – weil ich endlich wieder genug Kalorien habe (oder dauernd im Zuckerflash bn?). Normalerweise brauche ich so 5-6 Stunden Schlaf und in der Diät brauchte ich so 7 Stunden um überhaupt brauchbar zu sein. Und jetzt habe ich die Woche wieder so wenig geschlafen und es geht mir gut. Ich will rumspringen und herumtoben, hüpfen und die Welt umarmen – ich fühle mich, wie die alte Irina. Ich war in der Diät auch nicht mega schlimm (sagen mir zumindest die anderen) – aber diese Müdigkeit, diese Abgeschlagenheit ist das schlimmste. Und ich hatte halt weniger Geduld, war schneller genervt und konnte doch ab und an mal ausrasten oder heulen, wenn ich nicht mehr konnte. Die Müdigkeit, Gereiztheit und Abgeschlagenheit hatte ich diese Woche noch gar nicht und das fühlt sich toll an! Scheiss auf das Sixpack – zeig mir das Leben in vollen Zügen :-D

Wie ich meinen Kopf erlebe

Und wenn ihr diese Zeilen so lest, könnt ihr euch ja vorstellen, wie es mir geht. Es geht mir auch kopfmässig gut. Klar denke ich ab und zu, meine Adern waren schon toll – aber ich sehe, die Energie die zurückkommt, geniesse das Essen und wie es riecht und bin dankbar für soviele gute Sachen wie wir zu essen haben. Ich habe mir selber so bewiesen, was ich erreichen kann und was die anderen von mir denken ist mir eh egal. Wenn jemand mir sagt: „Du bist aber dick geworden, wie kannst Du dich nur so gehen lassen nach dem Wettkampf?“ Dann zucke ich mit den Schultern und sag „erstens; geht es dich nichts an und zweitens ich mag mich auch so“ Und ich glaube, dass ist der Punkt. Ich habe nie Wettkämpfe gemacht (gut es waren erst vier), weil ich unbedingt mal so definiert werden will. Ich finde das ein mega Nebeneffekt und ich würde Lügen, wenn ich nicht immer so aussehen wollen würde. Aber nur, wenn ich nicht diäten müsste :-D Weil ich weiss, was es braucht ein Sixpack zu haben. Und das ist es mir nicht wert. Dann gibt’s halt ne Phase wo’s kein Sixpack gibt. Das ist okay – nein sogar gut so.

Ich liebe diese Reise, die man mit dem Kopf macht. Dieses Weitergehen obwohl alles Kacke ist. Obwohl man müde ist, hungrig und einfach Bock auf alles andere hat ausser zu trainieren oder Tupperware Essen zu essen. Aber man macht es trotzdem – weil man das Ziel vor Augen hat. Und man geht weiter. Weiter und weiter. Und sieht, was für Fortschritte möglich sind, wenn man sich nur an den Plan hält. Und das gefällt mir. Das finde ich das tollste am Wettkampf. Und dann den Moment auf der Bühne, wo man das zeigen kann. Die harte Arbeit, die dahinter steckt. Und ja  -als Frau steht man da im Bikini und halb nackt und man wird in diesem Moment nur auf sein Äusseres reduziert und aufgrund seines Äusseren bewertet. Und deswegen bin ich nicht traurig wenn ich „nur“ 2. Oder 3. Platzierte werde. Weil die Jury und das Publikum seht nur meine Hülle – ein Bruchteil sieht was da alles noch dahinter steckt. Denn wir sind nicht nur Athleten, wir haben noch ein anderes Leben; wir arbeiten, haben Familie, Freunde, Beziehungen, Probleme, Ängste, Schicksalsschläge, … Jeder hat seine ganz eigene Geschichte und es steckt soviel mehr dahinter als nur mein halbnackter Körper. Wenn das andere nicht sehen, ist das okay für mich. Aber ich habe bewiesen, dass ich echt gekämpft habe, wie eine Löwin. Egal was passiert, ich habe mein Ziel nicht aufgegeben. Und jetzt gönn ich meinem Körper und meiner Seele alles was sie will – und wenn es eine Woche lang durchessen ist.

Ich bin mehr als mein Körper, mehr als mein Sixpack und mehr als mein Äusseres.

Und daher reduziere ich mich auch nicht und bin jetzt gut zu mir. Ich höre auf mein Bauchgefühl und dieses sagt mir auch wieder, wenn es genug ist. Und das ist es ab nächster Woche wieder. Dann bin ich gut zu meinem Körper, indem ich ihm ein ausgewogenes Essverhalten gebe. Die Waage wird weggestellt und ich höre auf meinen Körper.

Was ich jetzt als nächstes tun werde

Das habe ich schon angefangen zu schreiben, aber folgende fünf Punkte habe ich mir vorgenommen:

  1. Selber kochen. Die Freude am abwechslungsreichen Kochen wieder entdecken. Ich habe fünf Monate strickt nach Plan gegessen und jetzt erkunde ich wieder die verschiedenen Lebensmittel, probiere Dinge aus und geniesse das Essen. Fressanfälle kriege ich vor allem wenn ich essen bestelle.
  2. Keine Waage: ich wiege mein Essen nicht mehr ab, lediglich die Shakes die ich noch nehme
  3. Weiterhin trainieren: Hier brauche ich einen Plan – einfach um zu dokumentieren, wie ich mich verbessere – was ich aber ausprobieren will, sind andere Sportarten. Spinning, Boxen etc. Einfach ausprobieren und mich sportlich betätigen
  4. Geduldig sein: mein Körper wird sowieso reagieren. Jetzt fünf Monate lang auf dem Kaloriendefizit und dann eine Woche lang essen ohne Grenzen hinterlässt Spuren. Da überfordert man nicht nur den Geldbeutel sondern auch den Körper. Daher gebe ich ihm jetzt Zeit, sich an das „normale“ Leben zu gewöhnen und es ist okay, wenn ich Probleme mit der Haut bekommen, Stuhlgang oder sonst was. Der Körper ist grossartig, er wird sich wieder an die neue ausgewogene Situation gewöhnen, aber er braucht auch Zeit.
  5. Dankbar sein und froh sein, dass der Körper mitmacht: den Körper wertschätzen. Wellness gönnen, Massage gönnen etc.

Kurzum; gut zu mir selbst sein. Mit all dem was dazugehört und mir selber für die Leistung danken. Sei es mental oder körperlich.

Warum du mehr als ein Sixpack bist

Wie ihr hoffentlich lesen könnt, bin ich momentan sehr im Reinen mit mir. Ich würde mir wünschen, dass das andere auch wären. (An-)erkennt was ihr geleistet habt – mental. Die Stunden im Gym, die Stunden in der Küche, der Verzicht und der Moment auf der Bühne. Das ist unfassbar! Und das solltet ihr feiern. Das Sixpack kommt und geht und wenn ihr ganz ehrlich seid, ist es doch kein schönes Leben, immer nur aufs Essen zu schauen, es abzuwiegen und im Kaloriendefizit zu sein. Ich glaube immer, wenn wir alt sind, bereuen wir nicht, dass wir nicht lange genug ein Sixpack hatten, sondern eher dass wir zu wenig Zeit zum Leben / Ausprobieren und Entdecken genutzt haben. Zu wenig Zeit mit Freunden und Familie verbracht haben und zu wenig Zeit für unsere Beziehungen investiert haben. Deswegen finde ich Wettkämpfe toll – sie gehen vorüber :D haha! Du hast ein Ziel, du investierst alles dafür aber wenn sie durch sind, dann kannst Du dich wieder auf das Leben konzentrieren. Das heisst ja nicht, dass Du nicht mehr trainierst. Ich trainiere auch noch 5 Mal in der Woche. Aber das ist immer noch was anderes als sich für einen Wettkampf vorzubereiten.

In diesem Sinne beende ich den Blog mit dem Zitat: Know that you are worth so much more than the value you place on your body. It’s not the only thing that defines you. – Molly Tarlov

Viel Liebe

Irina

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