Corona Learnings - II

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In diesem Teil geht es also nicht um den Sport und was ich verändert habe, sondern wie ich meinen Alltag veränderte. Denn dieser wurde im ersten Lockdown und im zweiten Lockdown komplett durcheinandergewirbelt. Und seit es wieder zu mehr Öffnungen kommt, ist meine Tagesstruktur wieder einmal komplett über den Haufen geworfen worden. Doch einige Dinge respektive Angewohnheiten möchte ich in den neuen-alten Alltag mitnehmen.

Klare Grenzen setzen

Vor Corona war bei mir alles durchgetaktet. Als dann Corona kam und ich ständig im Homeoffice war, arbeitete ich halt länger denn; warum nicht?! So sass ich den ganzen Tag vor dem Screen, checkte abends vor dem Sofa noch die Mails, machte irgendwann irgendwas. Ich hatte eigentlich zum ersten Mal richtig viel Zeit und war total überfordert damit. Ich nutze die Zeit dann so schlecht, dass ich auch wieder keine Zeit mehr hatte. Somit habe ich gelernt, klare Grenzen zu setzen. Ich fange nicht früher als 06.30 Uhr morgens zu arbeiten und ich höre spätestens um 18.00 Uhr auf. Ich mache eine Stunde Mittag. Bodynation Themen versuche ich auf Freitag und Samstag zu legen und minimiere den Aufwand unter der Woche so gut es geht.

Ich habe gelernt, dass ich viel Struktur im Alltag benötige, damit es resp. ich nicht im Chaos ende. Die Struktur im Alltag hilft mir, Dinge zu priorisieren und Freiraum zu schaffen.

 

Handyfreie Zeit

In der Corona Zeit war ich extrem viel am Handy. Ich war also nicht nur den ganzen Tag am Laptop, abends war ich auch viel an dem Handy. Vielleicht rede ich es mir auch nur ein; aber meine Augen haben gelitten. Ständig trocken, vermehrt Kopfschmerzen und eine schlechtere Sicht. Das liegt sicherlich nicht am Handy per se aber in Kombination mit der Laptopzeit nicht unbedingt förderlich. Mittlerweile habe ich eine bildschirmfreie Zeit eingerichtet, und zwar von 21.30 Uhr bis um 07.00 Uhr.

Das klappt ganz gut und ich kann mittlerweile das Handy auch öfters einfach mal daheimlassen.  

Allein-Sein

Das Allein-sein hat sich nicht so verändert. Ich bin äusserst gerne allein. Auch wenn ich es selten bin und gerne unter Freunden bin, streiche ich mir mehr Zeit für mich raus. Ich gehe allein spazieren, ich esse allein und verbringe gerne Abende mit mir ganz allein. Das war eher selten bei mir (obwohl es mir immer wichtig war) aber jetzt schaue ich bei meiner Wochenplanung (da sind wir wieder bei der Tagesstruktur :)), dass ich auch Zeit für mich habe. Und dann muss ich halt manchmal einen Termin verschieben und sage den Freunden auch, weshalb ich das tue (mehr dazu weiter unten)

Geschwindigkeit rausnehmen

Somit kann ich jetzt rückblickend feststellen, dass ich bei allem ein bisschen Geschwindigkeit rausgenommen habe. Es müssen nicht immer tausend Dinge auf einmal sein, die ich an einem Tag machen muss, dafür aber wochenlang nur noch vier Stunden schlafe. Das bringt nichts – für mich am aller wenigsten. Ich nutze demnach die Zeit die ich habe, besser. Ich bin fokussierter. Denn ich habe durch «das Geschwindigkeit» rausnehmen auch die Möglichkeit mal kurz durchzuatmen und zu reflektieren.

Mit Freunden darüber reden

He? Was soll denn dieser Punkt? Ich rede viel mit Freunden und trotzdem erst seit einigen Monaten wirklich über die Corona Situation und was es mit meinem Gemütszustand macht. Oftmals haben wir das Thema komplett gestrichen (weil es so omnipräsent war und wir über andere Themen sprechen wollten. Oder wir redeten über die Situation in der Gesellschaft, aber nicht wirklich wie es mir in der aktuellen Situation geht. Denn; bei mir gibt es ja nichts zu beschweren; ich habe einen Job, ich bin nicht alleine, ich habe keine Kinder, welche nicht in die Betreuung können und ich daneben nicht arbeiten kann, ich arbeite nicht in der Pflege und erlebe die Situation hautnah. Es gibt nichts, worüber ich mich beschweren möchte. Und dennoch; ging es mir ab und an nicht gut (Überforderung mit dem neuen Alltag etc.). Und anzuerkennen, dass Gefühle und Meinungen ebenso valid sind, war nicht immer einfach. Ich will mich ja nicht beschweren; es ist aber kein Beschweren, sondern ein Erzählen wie es mir geht. Und dann sich selber zu sagen: «Ah, Du hast nichts worüber Du dich beschweren kannst» stimmt zwar in einem zweiten Schritt. In einem ersten Schritt ist es aber in Ordnung einfach zu sagen wie es einem ganz persönlich geht. Ist für mich ein bisschen schwierig zu beschreiben, aber versteht man was ich sagen möchte?

Geschwindigkeit rausnehmen

Somit kann ich jetzt rückblickend feststellen, dass ich bei allem ein bisschen Geschwindigkeit rausgenommen habe. Es müssen nicht immer tausend Dinge auf einmal sein, die ich an einem Tag machen muss, dafür aber wochenlang nur noch vier Stunden schlafe. Das bringt nichts – für mich am aller wenigsten. Ich nutze demnach die Zeit die ich habe, besser. Ich bin fokussierter. Denn ich habe durch «das Geschwindigkeit» rausnehmen auch die Möglichkeit mal kurz durchzuatmen und zu reflektieren.

Ist denn jetzt wirklich etwas anders?

Ja, ich nehme mir jetzt öfters und vor allem bewusster Zeit für mich alleine. Ich liebe es, meine Freunde zu sehen, für bodynation zu arbeiten und mein eigentlicher Beruf gefällt mir auch sehr gut. Ich verbringe gerne Zeit im Training, in der Natur und ja die Zeit mit meinem Freund ist auch schön. Ach ja, und Motorrad fahren mag ich auch ganz gerne. Am Grundsatz hat sich nichts geändert. Aber ich höre jetzt bewusster auf mich und wenn ich merke, dass mich etwas davon eher stresst, dann lasse ich es. Wenn ich merke, dass ich einen wirklich stressigen Tag oder Woche hatte und am liebsten nur noch allein sein will und den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen möchte, weil ich so müde bin, dann tue ich das. Und geniesse es in vollen Zügen. Ich möchte bewusster die Dinge tun und nicht von einem großartigen Ereignis zum nächsten Rennen, um danach – gefühlt – gestresster zu sein, als vorher.

Ich möchte mich nicht mehr so krass extern takten lassen, wobei das «extern» ja auch von mir kommt. Und damit bin ich seither ganz gut gefahren. Wobei ich zugeben muss, als es wieder zu den Öffnungen kam, bin ich sofort wieder in mein altes Muster gefallen. Unfassbar lange To do Listen – jeden Tag auch abends ausgebucht und nach so zwei Wochen merkte ich, dass sich das nicht gut anfühlt. Ich war müde, genervt und vor allem einfach unzufrieden, weil ich auf vielen Hochzeiten wieder gleichzeitig getanzt habe. Freiwillig.

An Wochentagen gehe ich nicht mehr später als 23.00 Uhr ins Bett. Egal, was es noch zu tun ist. Ich priorisiere meinen Schlaf. Dies gehört zu dem vorherigen Abschnitt: Was nutzt es mir, wenig zu schlafen? Ganz nach dem Motto einer meiner Lieblingsmotivatoren. Gary Vee twitterte einmal: “Sleep is such a winning formula! I’m surprised by people having pride in not sleeping. I’m a 6,7,8 hour guy! It’s not how little you sleep, it’s how much happiness and productivity you create while you’re awake»

Ich stelle mir zwar immer noch an den Wochenenden den Wecker. Meine Morgenroutine sieht aber anders aus. Als erstes gibt es ein ausgedehntes Frühstück. Und das geniesse ich in vollen Zügen.

Wie ebenfalls oben gesagt, sage öfters «Nein», wenn ich gefragt werde, ob wir uns sehen. Ich begründe mein «nein» immer, damit die Menschen wissen, was der Grund ist. Auch wenn es im ersten Moment eher schwierig ist, ist es dann doch erleichternd, wenn ich es gesagt habe. Denn ich möchte vollkommen bei meinen Freunden sein, wenn ich sie sehe. Und nicht nur körperlich anwesend.

Zu guter Letzt leiste ich mir kosmetische Behandlungen. Das klingt so komisch, aber es hilft mir wirklich, abzuschalten und meinem Körper zusätzlich etwas Gutes zu tun. Ich kann mir jetzt nicht jeden Monat eine Gesichtsbehandlung leisten, dennoch plane ich es alle zwei bis drei Monate ein. Dazwischen gönne ich mir einmal die Woche so etwas Kosmetik für daheim. Sei es durch Gesichtsmasken, die ich mir drauflege und dann einfach die X-Minuten.

Ganz nach dem Motto "the best project you'll ever work on is you" habe ich wieder viel über mich selber gelernt und freue mich, was ich aus den neuen Erkenntnissen langfristig mitnehmen kann. Ich halte euch auf dem Laufenden :)

Herzlichst,
Eure Irina

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