Auszeit

von am

Ich liebe Sport. Ich liebe Bodybuilding und nicht, weil man dann das ganze Jahr über definiert ist. Nein, für mich ist es ein Ventil. Ein Ventil, meine Energie rauszulassen. In meinem Kopf habe ich immer gefühlt 1000 Ideen. Das ist schön, aber auch anstrengend. Ich kann über die Bahnhofs-passarelle gehen oder so wie jetzt im Zug sitzen und mir schiessen teilweise sooo viele Ideen durch den Kopf, dass das anstrengend wird. Ich arbeite mit meinem ganzen Herzen und liebe was ich tue. In jedem Bereich. Dennoch explodiere ich abends manchmal fast, wenn ich meine Energie nicht noch loswerden kann. Ich werde zappelig, unruhig, böse und einfach anstrengend.

Ins Fitnessstudio zu gehen, ist für mich mein Ort, wo ich mich fokussieren kann. Ich habe mein Trainingsbuch, höre meine Musik, rede eigentlich mit fast niemanden und kann mich eine Stunde bis 90 Minuten vollkommen auf etwas konzentrieren. Das Training.

So war und ist es für mich jetzt doch eine grössere Umstellung, dass seit Längerem die Fitnessstudios zu sind. Es gibt tolle Alternativen, aber nichts, was mich so fasziniert und besänftigen kann, wie mein Training. Selbst mit dem Equipment, welches ich jetzt daheim habe.

Und so habe ich manchmal trainiert und manchmal auch nicht. Und bin dann noch gestresster gewesen, wenn ich trainiert habe und das Training nur bescheiden war. Oder halt beschissen. Und dann war ich gestresst, wenn ich mal wieder länger gearbeitet habe und dann doch nich trainiert habe.

Das ging Monate so

Und – dank meiner ungeplanten Weisheitszahnkomplikation konnte ich zwei volle Wochen nichts tun. Also wirklich nichts. Selbst als es in der zweiten Woche besser war, habe ich noch Antibiotika genommen und das Pulsieren im Kiefer war noch so stark, dass nichts ging, was irgendwie dazu führte, was meinen Puls erhöht hat.

In den zwei Wochen merkte ich aber, dass das «Nichts» tun mir besser getan hat, als das «so-halb was tun». Ich hatte wieder Zeit mehr zu spazieren, mehr zu lesen, mehr zu arbeiten, mehr zu kochen und mir noch einmal bewusst zu machen, was das Training für mich bedeutet.

Und dann habe ich einfach noch einmal kurzerhand entschieden, dass ich nochmal zwei Wochen NICHT trainiere. Ganz bewusst, weil ich sehen wollte, was mit mir passiert.

Nicht körperlich, sondern was es mit meiner Person anstellt. Und ich habe es genossen, gleichzeitig habe ich Pläne aufgestellt, wie es sein wird, wenn ich wieder trainieren kann. Und morgen fange ich wieder an und starte mit voller Vorfreude auf das Training. Mehr fokussiert darauf, die Energie rauszulassen, als stupide dem Trainingsplan zu folgen, bei welchem ich mit meinen wenigen Gewichten daheim nicht wirklich die Energie rauslassen kann. Für mich heisst das viele Treppen rennen, viel HIIT Training etc. Ich freue mich darauf, meine Energie wieder loszuwerden, auszupowern und etwas Gutes für meinen Körper zu tun. Das ist das, was ich mit Fitness verbinde.

 

Kein müssen

Und nicht ein «müssen», weil es gerade alle tun. Ich habe einfach eine Auszeit gebraucht, um mich zurückzubesinnen, was ich daran wirklich toll finde und nicht, weil es in meinem Tagesplan seit Jahren ist. Wisst ihr was ich damit sagen möchte?

Und so glaube ich, dass es unfassbar wichtig ist, sich immer wieder einmal eine Auszeit zu nehmen. Manchmal reichen ja auch nur ein paar Stunden, Tage, Wochen oder dann auch mal Monate. Aber sich zurückzubesinnen, warum man was macht und was es einem persönlich bringt.

Das ist nicht immer einfach. Sich mit sich selber auseinanderzusetzen ist nicht immer spassig. Das kann auch mal anstrengend sein. Denn manchmal fühlt man etwas und man kann es sich nicht genau erklären, was es ist. Und warum. Und das ist auch mal okay so. Es ist okay, sich nicht okay zu fühlen. Und manchmal – ich glaube sogar sehr oft – kann man rational nicht erklären, warum dies oder jenes stört.

Auch wenn Du es rational nicht erklären kannst, sollen Gefühle und Meinungen aber zugelassen werden.

Und wenn Du einfach etwas spürst, was in Dir sagt, dass etwas nicht in Ordnung ist, dann setz dich hin und geh mal einen Schritt zurück. Was machst Du? Welche Aktivitäten lösen in dir welche Gefühle aus und warum? Wann war der Zeitpunkt wo es nicht mehr so war und was meinst Du was könnte der Auslöser gewesen sein?

Ich persönlich kann das aktuell nur auf den Sport beziehen. Aber genau dieselbe Diskussion musste ich letztes Jahr mit mir selber führen, als es darum ging, wie wir mit Bodynation weitermachen und wie ich das alles miteinander machen kann. Mir ging es nicht mehr gut. Ich hatte zwar den vollen Lohn, Bodynation war aber immer eine reine «abends und Wochenende»-Arbeit. Ich rannte. Die ganze Zeit. Und hatte immer eine unangenehme Grundnervosität oder eher Angespanntheit in mir. irgendwann musste ich mich hinsetzen und überlegen, woran das liegen könnte. In den sozialen Medien berichten viele davon, wie crazy hart sie arbeiten und dass Du immer alles 100 % geben musst. Über Jahre. Und wenn der Beruf Deine Leidenschaft ist, dann ist es nicht arbeiten.

 

Naja...

Ja bis zu einem gewissen Grad kann ich das nachvollziehen. Mich hat es müde gemacht. Auch wenn ich Bodynation liebe. Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich renne irgendetwas hinterher und vergesse mich komplett. Das habe ich aber nicht bemerkt, dafür musste ich mir eine Auszeit gönnen und selber die Erkenntnis haben.

Ich habe entschieden, dass ich meinen eigentlichen Beruf, den ich wirklich auch mag, auf 80 % reduziere, damit ich erstens mehr Zeit für Bodynation habe UND mehr Zeit für mich. So dass ich auch einfach mal wieder Zeit habe, mir eine Auszeit zu gönnen. Sei es einen freien Tag zu haben, mit Freundinnen Kaffee zu trinken, ausgiebig zu kochen oder einfach alleine zu sein und nichts zu tun. Ohne schlechtes Gewissen (was ich mir selber eingeredet habe)

Es ist Deine Verantwortung. Nie wird das Leben, Dir die Entscheide abnehmen, die du selber machen musst, dass sich etwas ändert. Mir helfen dabei Auszeiten, um mich wieder in den «Driver»seat zu setzen und mein Leben in die Hand zu nehmen. Manchmal schneller und manchmal mit gemächlicherem Tempo. «Das Schwierigste ist die Entscheidung selbst, alles andere ist Hartnäckigkeit» - Amelia Earhart.

 

Herzlichst,

Eure Irina

Zurück